18. April – bundesweiter Corona Gedenktag

 
Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt all den An- und Zugehörigen, die einen nahestehenden Menschen durch Corona verloren haben.
  
 Die Corona bedingten Einschränkungen nehmen Einfluss auf ALLE Abschiede – nicht nur auf die Abschiede derjenigen, die an Corona gestorben sind. Corona und der Verlust eines geliebten Menschen transformieren uns auf allen Ebenen. 
  
 Geschichten, die Corona schrieb…
 … wenn eine Frau nach 60 Ehejahren und langem Krankenhausaufenthalt ihres Ehemannes  ohne Besuche am Tag vor seinem Tod erfährt, dass er sterben wird… wenn eine Mutter aufgrund der einschränkenden Besuchsregeln eine Stunde zu spät ans Krankenbett ihrer Tochter kommt… wenn der Ehemann – wegen einer anderen Erkrankung im Krankenhaus –   sich dort mit Corona ansteckt und stirbt und man ihn erst in einer Viren undurchlässigen Hülle im Sarg liegend besuchen kann… wenn der Enkel aufgrund der Personenbeschränkungen nicht bei der Trauerfeier seiner Großmutter dabei sein kann und stattdessen in der Stadt Erinnerungssteine an Orten gemeinsamer Lebensmomente verteilt… wenn die Witwe sich entscheidet, ihren Mann obduzieren zu lassen, damit durch die Erforschung der Erkrankung diese wenigstens einen Sinn hatte… wenn alle in der kalten Trauerhalle auf 1,50 m Abstand sitzen und gerade wegen des Wissens, dass Corona tödlich enden kann, einander nicht tröstend in den Arm nehmen, sondern spürbar in Schockstarre verharren… wenn eine Familie fühlt, Corona hat den Suizid eines geliebten Menschen befördert… wenn Schuldgefühle entstehen, weil man sich Corona bedingt so lange schon nicht mehr besucht hatte… wenn sich nach der Trauerfeier alle aus Angst vor Ansteckung zurückziehen und der tägliche, haltgebende Stammtisch in der Dorfkneipe ausfällt…. 
  
 Geschichten, die Fragen aufwerfen und nach Antworten suchen lassen…
 Wir haben keine allgemeingültigen Antworten, aber wir möchten den beschriebenen „wenn“-Geschichten Hoffnungsbilder entgegensetzen, in dem wir…
 … das Abschiednehmen am offenen Sarg noch mehr Raum geben als sonst…
 … die Nicht-Teilnehmenden bei Trauerfeiern mit neuen Möglichkeiten dennoch einbeziehen… 
 … der Trauerbegleitung noch mehr Zeit und Raum geben als bisher schon...
 … die An- und Zugehörigen unterstützen, ihrer Trauer eigene Ausdrucksformen zu geben…
  
 Nach wie vor gilt…
 … Die Trauernden wissen selbst am besten, was sie brauchen. Sie leiten unser Tun.
 … Nähe und Geborgenheit lassen sich trotz Corona herstellen – anders und reduzierter, aber wir schauen gemeinsam nach Wegen…
 … Die Verbundenheit mit dem verstorbenen Menschen bleibt, die Erinnerung und die Liebe!
 … Wir alle können miteinander Menschlichkeit und gegenseitige Fürsorge leben, mit offenen Herzen… halt manchmal mit neuen Werkzeugen.
  
 Wir wünschen…allen Sterbenden, dass Sie Halt und Geborgenheit finden, bei anderen Menschen, in sich selbst, im Glauben oder mit anderen Hoffnungsbildern…
 … allen An- und Zugehörigen von ganzem Herzen, dass Sie in sich, in Ihrem Zuhause, in der Natur, bei anderen Menschen Geborgenheit finden, getragen und begleitet werden. 
 … Ihnen, dass Sie in Zeiten der Einsamkeit und des Zurückgeworfen-Seins auf sich selbst neben dem Schmerz auch die Verbundenheit mit Ihren geliebten Menschen spüren. Verbundenheit in Liebe. 
  
Ihre 
Sabine Eller
und Team
  
Darmstadt, im März 2021
   

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